PSD2 - Neufassung der europäischen Zahlungsdienste-Richtlinie

Interview mit Vorstand Klaus Gimperlein zu den Auswirkungen auf die Privatsphäre der Verbraucher

Januar 2018

 

Die Abkürzung „PSD2“ steht für Payment Service Directive 2, also die Neufassung der europäischen Zahlungsdienste-Richtlinie. Die Regeln sind seit 13. Januar in Kraft.

Banken waren deshalb dazu verpflichtet, ihren Kunden vor dem Jahreswechsel einen Stapel Informationsblätter zu schicken. Doch vielen Verbrauchern ist die neue Richtlinie trotzdem noch kein Begriff. Das sollte sie aber: Denn die neuen Vorgaben können erhebliche Auswirkungen auf die Privatsphäre haben, warnt Klaus Gimperlein, Vorstand der VR meine Bank eG.

Alle Infos und Empfehlen finden Sie im Interview:

Das Interview mit Vorstand Klaus Gimperlein

Frage 1: Wozu ist die PSD2-Richtlinie gut?

Antwort:

Vereinfacht gesagt erlaubt es die Richtlinie Dritten, auf die Kontodaten von Bankkunden zuzugreifen.

Vereinzelt hat es das in der Vergangenheit schon gegeben, allerdings ohne rechtliche Basis. Die schafft jetzt die PSD2. Auf diese Weise können Finanzdienstleister beispielsweise den Anwendern einer Smartphone-App einen zusammenfassenden Überblick über deren Ausgaben oder deren Konten bei verschiedenen Banken bieten. Die Nutzer können dann sofort sehen, für was sie ihr Geld ausgegeben haben und wie sich ihr Geldbestand unter dem Strich entwickelt …

Frage 2: Einen zusammenfassenden Überblick über die Ausgaben erhalten - hört sich sehr praktisch an.

Antwort:

Natürlich ist eine Ausgabenüberblick praktisch - ABER:

Andererseits eröffnet es eben diesen Dienstleistern tiefe Einblicke in die persönlichen Finanzdaten. Darüber muss sich in Zukunft jeder Bankkunde im Klaren sein.

Wir empfehlen: Bevor sie die Tür zum eigenen Konto vorschnell öffnen, sollten sie deshalb sorgfältig zwischen Bequemlichkeit und Privatsphäre abwägen.

Frage 3: Können die Drittanbieter einfach so auf das Konto zugreifen?

Antwort:

Nein!

Der Kontoinhaber muss dem Zugriff von Fremdanbietern explizit zustimmen. Dazu reichen in der Regel aber wenige Klicks

Frage 4: Sehen Sie darin die Gefahr für Bankkunden?

Antwort:

Ich sehe die Gefahr, dass Bankkunden die Hoheit über die eigenen Kontodaten leichtfertig und unüberlegt aus der Hand geben.

Insbesondere in der Anfangsphase, wenn die neuen Regeln in Kraft treten. Deshalb rate ich dazu, wohlüberlegt zu handeln. Es ist absehbar, dass Scharen an neuen und altbekannten Dienstleistern bei den Bankkunden anklopfen werden, weil sie den großen Reibach mit den Nutzerdaten wittern...

Frage 5: Welche Anbieter sind das?

Antwort:

Das können die bekannten großen Digitalkonzerne sein, aber auch die unzähligen Fintechs.

Frage 6: Was raten Sie den Bankkunden für den Umgang mit sensiblen Kontodaten?

Antwort:

Es lohnt sich, auf vertraute Angebote zu setzen.

Dazu gehören traditionell auch die Dienstleistungen der VR meine Bank eG. Wir bieten zum Beispiel bereits eine multibankfähige Anwendung für das Smartphone und einen Onlinebezahldienst an – also das, was Dritte jetzt im Rahmen der PSD2 versprechen.

Der Vorteil: Wer diese etablierten Dienste nutzt, belässt seine Daten, wo sie bislang waren, nämlich bei seiner Hausbank.

Frage 7: Was können Hausbanken besser als neue Anbieter?

Antwort:

Bei der gelten seit Jahrzehnten gewachsene, ständig überprüfte Sicherheits- und Datenschutzstandards.

Das wissen und schätzen unsere Kunden. Nicht umsonst gaben bei einer – nicht repräsentativen – Online-Umfrage des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB) kürzlich fast zwei Drittel der Teilnehmer an, dass sie ihre Kontodaten ausschließlich ihrer Hausbank überlassen wollen. Das bewährte Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Kreditinstitut endet nicht an der Filialtüre – die schützt Daten auch online.


Das Interview haben wir geführt mit

Klaus Gimperlein

 

  • Stellvertretender Vorstandsvorsitzender VR meine Bank eG
  • Vorsitzender des Raiffeisen-Kreisverbandes im Landkreis NEA-BW
  • Stiftungsvorstand der GenossenschaftsStiftung der VR-Bank Uffenheim-Neustadt